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Biographie

Positron zu beschreiben stellt den Autor vor eine schwierige Aufgabe. Nicht nur das der Stilmix irgendwo zwischen Elektro, Mainstream Pop und Indie sich konsequent jeder Schublade entzieht, auch die beiden Akteure könnten nicht unterschiedlicher sein. Aber wahrscheinlich ist es ja genau das, was zu neuen Ideen führt.

Ganz abgesehen von einem recht großen Altersunterschied, musizieren hier zwei Menschen miteinander, welche vollkommen verschiedene Ausgangspunkte zur Musik hatten. Jedoch muss in beiden eine ähnliche Vision gewütet haben, um sich letztendlich in einem gemeinsamen Projekt wiederzufinden. Was aber aufgrund der Vorgeschichten relativ unwahrscheinlich schien.

Während der eine Teil der Band, Fritzi, im Kindergarten gerade die Triangel kennenlernte, war Dennis schon intensiv mit dem Remixen beschäftigt. Aber nicht im herkömmlichen Sinne sondern mit recht simplen und selbstgebauten Geräten. Als Teenager der DDR war man einem elementaren Mangel an Musikinstrumenten und Geräten ausgesetzt. Besonders wenn man es, wie er, elektronisch mag. Mischpulte, Boxen, Verstärker wurden kurzerhand selbst gebaut. Sogar einfache Synthesizer erblicken das Licht der Welt. So erschloss sich die Welt der Musik vorerst auf experimentelle Weise.

Mit der Anschaffung der ersten Synthesizer wurden auch eigene Tracks produziert. Hier tobte er sich in verschiedenen Projekten aus, jedoch hauptsächlich im Technostil. Dennis war Mitveranstalter von Technoparty und produziert eine Zeit lang mit einem Freund eine lokale Radiosendung über Techno, Dance und alles was synthetische Beats so hergeben. Irgendwann fand Dennis das nicht mehr befriedigend. Richtige Songs mit Text und Stimme interessierten rückten in den Mittelpunkt seines musikalischen Interesses. Die Muse war da und auch die Kreativität. Allerdings war ihm klar, dass klassischer Musikunterricht nicht sein Ding ist. Also wurde das Handwerkszeug autodidaktisch erworben.  

Parallel dazu gab es für Fritzi eine eher „konservative“ musikalische Früherziehung, gefolgt von Klavier- und Geigenunterricht, Gesangsunterricht, der Mitgliedschaft in verschiedenen Chören. All das gipfelte schließlich in dem grandiosen Plan Jazzgesang zu studieren. Eine Verkettung von Umständen lies diesen Plan jedoch scheitern. Fritzi konnte sich nie wirklich mit den strengen Strukturen einer klassischen Ausbildung anfreunden und so wurde  alles verworfen und Fritzi wollte hinschmeissen. Aber da war ja noch diese Vision, die sich jetzt bemerkbar machte und den Blick auf einen völlig unscheinbaren Zettel im Aushang der Musikhochschule lenkte. Da suchte einer eine Sängerin für ein Elektroprojekt. Also rief Fritzi an und hatte Dennis am anderen Ende. Der hatte besagten Zettel längst vergessen, da eine klassische Musikhochschule nicht der Ort ist wo er sein zukünftiges Pendant erwartete. 

Fritzi kam kurz darauf im Studio vorbei und schwuppdiwupp folgte die  musikalische Hochzeit. Dennis war die optimale Ergänzung für die junge Studentin. Er besaß das technische Know How und ein Studio war vorhanden. Umgekehrt brachte Fritzi genau die Stimme mit, die sich Dennis vorstellte, markant, wuchtig und absolut wiedererkennbar. Gemeinsames Songmaterial kam schnell zusammen, die poppigen Beats und Melodien, die oft einen Hang zum Kitsch haben, und das in absolut positiver Weise, konnten Fritzi vollkommen überzeugen und sie fügte passende Texte und Melodielinien hinzu.

Ganz eindeutig orientiert am elektronischen Hintergrund von Dennis scheut sich Positron nicht davor auch sanfte Balladen oder experimentelle Stücke zu schreiben. Immer eine Gradwanderung, immer zwischen den Genres, und doch durch Mix und Stimme mehr als eigen! Dennis meint dazu: „Es ist zwar gut für den Wiedererkennungsfaktor, wenn man einen bestimmten Stil hat, aber eigentlich ist man doch nur zu faul mal andere Sounds zu bemühen. Mit elektronischer Musik ist das so einfach und man hat unbegrenzte Möglichkeiten.“ Vielleicht ist der entscheidende Punkt, dass beide Musiker sehr unterschiedliche Wege zur Musik hatten. Jetzt kommt alles zusammen und es ist wie ein riesiges Puzzle was man immer wieder neu zusammen setzen kann, ohne zu wissen was dabei heraus kommen wird.

Seit  vier Jahren arbeiteten Positron an ihrem Sound. Zahlreiche Songs sind dabei entstanden die den Stilmix wiedergeben und die dokumentieren, dass man das Experimentieren liebt. Die Arbeitsweise ist oftmals unvorhersehbar. So ist „Freak inside“ im Nachhinein betrachtet ein zufälliger Schnellschuss gewesen, der sich jedoch als clubtauglicher Favorit der Konzertbesucher entpuppte. Beat und Bass sind irgendwie was Anderes und wahrscheinlich auch der Grund, dass Fritzi nur wenige Stunden nachdem sie das Demo gehört hatte, den Song fertig schrieb.  

Die Texte bleiben bei vielen Songs herrlich einfach und doch nicht banal. Fritzi singt über die Liebe, das Leben, Freuden und Schwierigkeiten. Eben die ganz alltäglichen Themen von schön über sinnlos bis absurd, mit denen jeder ständig zu kämpfen hat. Und Fritzi gibt dem Ganzen mit der Tiefe ihrer Stimme eine ganz besondere Note.

Mit gerade mal sieben Titeln und einem Coversong wollte Positron im Jahr 2006 endlich live spielen. Jedoch war man sich damals noch gar nicht so richtig im Klaren wie das Ganze aussehen soll. Noch nicht einmal ein Name für das war vorhanden. Ein gewaltiges Stück Arbeit hatten die beiden vor sich. Aber mit der Zeit nahm das Liveprogramm Formen an und der Proberaum wurde das zweite Zuhause. Auch der Name war dann schnell gefunden und spiegelt die Essenz der Band wieder. So konnte man die ersten Livegigs spielen und sehen wie das Publikum reagierte. Ein wenig Unsicherheit war im Spiel ob und wie man die teilweise sehr verschieden klingenden Songs aufnehmen wird. Letztendlich wurde aber genau diese Vielseitigkeit zur eigenen Marke!   

Mittlerweile ist die Songliste gewachsen und Positron ist ständig mit neuen Tracks beschäftigt. Das erste Video wurde abgedreht und das nächste ist in Vorbereitung. Abzuwarten bleibt womit sie uns 2010 überraschen werden. Man darf sicherlich gespannt sein.

 



 

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